Schwangerschaftsvorsorge - Hebamme, Frauenarzt oder beides

In den Mutterschaftsrichtlinien ist geregelt, dass jede werdende Mutter während der Schwangerschaft Anspruch auf Betreuung und Beratung hat. Diese umfasst neben den regelmäßigen Vorsorgen auch drei Ultraschall-Untersuchungen sowie diverse weiterführende Tests und Screenings und kann durch einen Arzt und/oder eine Hebamme erbracht werden. Grundsätzlich ist auch eine Kombination möglich, bei der die Vorsorgetermine abwechselnd beim Gynäkologen und bei der Hebamme wahrgenommen werden. Während meiner zwei Schwangerschaften habe ich beide Varianten erlebt und möchte darüber nun hier berichten:

 

 

Vorsorge beim Gynäkologen

 

Hierbei handelt es sich die „klassische“ Art der Schwangerschaftsbetreuung, den der überwiegende Großteil der Frauen in Anspruch nimmt. Als ich meinen ersten positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, führte mein erster Gang also auch ganz selbstverständlich in die Praxis meiner damaligen Frauenärztin. Beim ersten Termin wurde mittels Urintest und Butabnahme die Schwangerschaft bestätigt und der Mutterpass wurde ausgestellt. Ein bisschen befremdlich fand ich, dass mir die Ärztin beim Gespräch erstmal einen großen Stapel Blätter und Broschüren mit allerlei Info über mögliche zusätzliche Untersuchungen in die Hand drückte. Nachdem ich die artig durchgelesen hatte, warf ich das meiste davon weg, weil wir für uns beschlossen hatten, dass wir das alles nicht wollten.

 

Fortan ging ich zuerst alle vier, später alle zwei Wochen zu den Vorsorgeuntersuchungen. Dabei wurden jedes Mal eine Urinprobe genommen sowie Gewicht und Blutdruck gemessen und die Lage des Kindes ertastet. Ein besonderes Highlight waren natürlich die drei Ultraschall-Untersuchungen, bei denen ich meinem kleinen Wunder beim Gähnen, Daumenlutschen oder Schlafen zusehen konnte. Durch den Austausch mit anderen werdenden Mamis wusste ich, dass manche Frauenärzte auch ein bisschen großzügiger sind mit der Anzahl der Ultraschalls oder sogar bei jeder Untersuchung kurz mit dem Schallkopf nach dem Rechten gesehen haben, aber meine Ärztin hielt sich „leider“ an die in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen drei Untersuchungen. Das ist bei einer normal verlaufenden, gesunden Schwangerschaft aber eigentlich auch ausreichend. Bei Risikoschwangeren oder sonstiger Veranlassung wird aber jeder Arzt öfter schallen. In jedem Fall war es gut zu wissen, dass die Praxis mit allem nötigen ausgestattet war, um mein Baby und mich während der Schwangerschaft gut zu betreuen. Zweimal wurde mir im weiteren Verlauf noch Blut abgenommen u.a. für die Bestimmung der Blutgruppe, Test auf bestimmte Krankheiten und Impfschutz sowie zur Bestimmung des Eisenwerts. Um einen Schwangerschaftsdiabetes auszuschließen, gab es einen Zuckertest. Alle Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen wurden im Mutterpass festgehalten.

Die Zeit verging wie im Flug und ich fieberte jedem Arzttermin entgegen. Das einzige, was mich wirklich störte war die ewig lange Zeit, die ich im Wartezimmer verbringen musste. Das wurde ein wenig besser, als etwa ab der 30. SSW Herztöne und etwaige Wehentätigkeit am CTG aufgezeichnet wurden. So konnte ich zumindest einen Teil der Wartezeit damit verbringen, dem fleißigen Babyherzchen beim Schlagen zuzuhören. Eine Zeit, an die ich mich sehr gerne zurück erinnere. Die Gespräche mit der Ärztin selber waren immer sehr schnell vorbei und haben in meiner Erinnerung auch keinen so furchtbar hohen Stellenwert, da wir kein besonders herzliches oder inniges Verhältnis hatten. Zwar war ich „schon immer“ Patientin dort, aber eben auch nur eine von vielen und somit wurde ich stets professionell, aber eben auch eher unpersönlich behandelt.

 

Hebammenvorsorge

Bei meiner zweiten Schwangerschaft erfuhr ich von der Möglichkeit, die Vorsorge von einer Hebamme durchführen zu lassen. Wie viele Frauen war mir bis dahin gar nicht bewusst, dass das geht bzw. hatte ich mir da ehrlich gesagt gar keine Gedanken gemacht. Mit Ausnahme der Ultraschall-Untersuchungen, die zwingend von einer gynäkologischen Fachkraft durchgeführt werden müssen, können Hebammen sämtliche in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehenen Leistungen erbringen. Die einzige Voraussetzung ist, dass keine Risikoschwangerschaft besteht und die werdende Mutter gesund ist.

Da mir meine Frauenärztin ohnehin nicht so am Herzen lag, ich aber gleichzeitig aus der ersten Schwangerschaft eine ganz liebe Hebamme kannte, die Schwangerenvorsorge anbietet, schien das für mich die optimale Lösung zu sein. Trotzdem rief ich zunächst wieder in der Frauenarztpraxis an. Da ich ein wenig früher dran war als in der ersten Schwangerschaft musste ich leider einen zweiten Termin abwarten, bis die Ärztin einen Herzschlag sehen, die Schwangerschaft bestätigen und den Mutterpass ausstellen konnte. Grundsätzlich hätte das übrigens auch die Hebamme tun können. An dieser Stelle ein kleiner Rat an alle werdenden Mamis: geht lieber ein wenig später als zu früh zum Frauenarzt, wenn der Teststreifen euch sagt, dass ihr schwanger seid. In der rechnerisch 8. Woche reicht locker, sonst lauft ihr Gefahr euch eventuell unnötige Sorgen zu machen. Mit der Suche nach einer (Nachsorge-)Hebamme kann man dagegen nicht früh genug anfangen, denn leider führt der immer schlimmer werdende Hebammenmangel dazu, dass diese unheimlich schnell ausgebucht sind und ihr im Ernstfall keine mehr bekommt. 

Meine Ärztin war leider nicht bereit, die Ultraschall-Untersuchungen durchzuführen, wenn ich die Vorsorge von der Hebamme machen lasse. So ablehnend reagieren sicher nicht alle Gynäkologen, wenngleich man wohl häufig mit etwas Widerstand rechnen muss. Oft befürchten die Ärzte, dass sie nicht alle Leistungen abrechnen können, was allerdings nicht stimmt. Ich hatte hier extra im Vorfeld meine Krankenkasse befragt: sowohl Hebammen als auch Ärzte können in der Schwangerenvorsorge selbstverständlich sämtliche Leistungen abrechnen, die sie erbringen. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Ich musste mir also erstmal eine neue Praxis suchen, wurde aber schnell fündig und bin im Endeffekt sehr froh darüber.

Für die Vorsorgeuntersuchungen kam meine Hebamme nun regelmäßig alle vier bzw. zwei Wochen zu mir nach Hause. Dabei waren wir ganz flexibel und ich war froh, dass ich nicht mehr im Wartezimmer sitzen musste. Besonders praktisch war natürlich, dass ich mir keine Gedanken machen musste, wo ich meine erste Tochter in der Zeit unterkriege. Ab und zu war sie bei den Untersuchungen dabei und schaute ganz gespannt zu. Als besonders wertvoll empfand ich die entspannte Atmosphäre bei den Terminen und das enge Vertrauensverhältnis zu meiner Hebamme. Wie die Ärztin untersuchte meine Hebamme jedes Mal den Urin, notierte Gewicht und Blutdruck und kontrollierte die Kindslage. Zudem überwachte sie die Herztöne mit einem Hörrohr und anschließend durfte ich nochmal über ein kleines Dopplergerät mithören. Das Blut für die serologischen Untersuchungen nahm sie mir ab und schickte es in ein Labor. Zu meinem neuen Arzt ging ich für die ausstehenden Ultraschall-Untersuchungen, zum Zuckertest und gegen Ende der Schwangerschaft zum CTG. Manche Hebammen bieten letzteres auch selbst an. Vom Arzt bekam ich außerdem kurz vor ET die Überweisung  für die Geburtsklinik.

Rückblickend würde ich mich immer wieder für die Hebammenvorsorge entscheiden. Hebammen haben einen ganz anderen Blick auf Frau und Kind als Gynäkologen und außerdem jahrelange spezifische Erfahrung in der Begleitung und Betreuung Schwangerer. Und schließlich ist eine Schwangerschaft ja (im Normalfall) auch keine Krankheit, die einen Gang zum Arzt erforderlich macht. Grundsätzlich bieten beide Varianten Vorteile, so dass es - wie fast immer - auf die persönlichen Vorlieben und die eigene Einstellung ankommt, welche Art der Vorsorge man als Schwangere wählt. Entscheidend ist, dass man sich als werdende Mami darauf verlassen kann, gut betreut zu werden, egal ob man den „klassischen“ Weg wählt, oder nicht. Und das ist doch super ;)