Was sich beim zweiten Kind wirklich ändert

Wenn man das zweite Mal Nachwuchs bekommt kann, man sich sicher sein, dass einem früher oder später so typische Sätze begegnen wie: „Das zweite läuft einfach mit“ oder „die zweite Schwangerschaft läuft so nebenher“. Grund genug für mich, einmal darüber nachzudenken, wie das für mich persönlich denn nun wirklich war mit dem zweiten Kind.

Schwangerschaft beim 2ten Kind

Da meine erste Schwangerschaft wirklich super war, dachte ich, so schön kann es bestimmt nicht mehr werden. Tatsächlich konnte ich sie jedoch mindestens genauso sehr, wenn nicht noch mehr genießen. Grund hierfür war vielleicht, dass ich dieses Mal alles viel früher wahrgenommen habe. Ich merkte früher, dass ich schwanger bin, spürte die ersten Tritte deutlich eher und auch der Bauch wuchs schneller. Nur diese bleierne Müdigkeit, vor allem am Anfang, war mir vom letzten Mal irgendwie nicht mehr in Erinnerung. Zum Glück konnte ich an meinen freien Tagen den Mittagschlaf meiner großen Tochter nutzen 😉 Überhaupt war es wunderschön zu sehen, wie die zukünftige große Schwester fasziniert den wachsenden Bauch beobachtete und sich auf ihr Geschwisterchen freute. Alle anderen freuten sich auch über unsere erneute Ankündigung. Aber irgendwie scheint eine zweite Schwangerschaft weit weniger Begeisterung bei Freunden und Verwandten auszulösen. Für uns Eltern galt das aber ausdrücklich nicht. Obwohl – oder gerade weil?! – wir schon ein bisschen wussten, was auf uns zukommt, war die Vorfreude und Spannung genauso groß wie beim ersten Mal. Da ich dieses Mal nur in Teilzeit gearbeitet habe, hatte ich auch wesentlich mehr Zeit, mich auf mich und das wachsende Wunder zu konzentrieren.

Während ich die erste Schwangerschaft ohne ein einziges Wehwehchen erleben durfte, merkte ich dieses Mal schon deutlich, was so ein Baby im Bauch mit dem Beckenboden macht…irgendwie alles ein bisschen „lommelig“. Da meine beiden Töchter allerdings auch nur zwei Jahre auseinander sind, ist das wahrscheinlich auch nicht weiter verwunderlich. Auch hatte ich etwa ab der 30. Woche immer mal wieder einen harten Bauch und leichte Wehen, ab der 34. Woche einen leicht geöffneten Muttermund. Das kam bestimmt daher, dass ich meine große Tochter ständig in der Gegend rumgetragen habe und es mir schwerfiel, mich an der Stelle etwas zurückzuhalten. Da ich aber gern möglichst lange schwanger sein wollte, musste ich es dann doch ein kleines bisschen langsamer angehen lassen. Genießen konnte ich die Zeit trotzdem und ich habe es dann auch tatsächlich bis zur 38. Woche geschafft.

Die Geburt

Ich finde, als Eltern wird man mit der Geburt eines Kindes in ein großes, faszinierendes Geheimnis eingeweiht. Ich würde ja gerne sagen, dass es beim zweiten Mal noch genauso faszinierend und geheimnisvoll ist. Für mich persönlich war es das aber nicht unbedingt. Es war wunderschön, fühlte sich aber doch eher ein bisschen nach Routine an, so verrückt wie das klingt. Ich muss aber fairerweise dazu sagen, dass die Geburt unserer ersten Tochter mich so nachhaltig beeindruckt hat, dass ich noch Wochen und Monate danach Gänsehaut bekommen habe, wenn ich nur am Krankenhaus vorbeigefahren bin. Ich kann die Gefühle von damals fast nicht in Worte fassen, die Latte hing also extrem hoch. Ich war so neugierig, welchen Weg unsere zweite Tochter sich aussuchen würde, aber im Prinzip lief die zweite Geburt komplett identisch zur ersten, nur noch ein bisschen schneller. Für mich sogar tatsächlich ein wenig zu schnell…klingt bekloppt, ich weiß, aber als mir kurz vor Mitternacht die Fruchtblase platzte, wusste ich bereits vom letzten Mal, dass es nun etwa eine Stunde dauern würde, bis die ersten Wehen einsetzen. Ich ging also nochmal in Ruhe duschen, checkte die Kliniktasche und legte mich wieder hin, bis es Zeit wurde, ins Krankenhaus aufzubrechen. Schon in die erste Geburt ging ich mit einem sehr guten Gefühl und auch dieses Mal war ich voller Vertrauen, dass mein Körper mir schon sagen würde, was zu tun ist. Und so war es dann auch. Um etwa 5 Uhr morgens kamen wir im Krankenhaus an und kurz nach halb 7 erblickte Wunder Nummer 2 das Licht der Welt. Erledigt, geschafft, Haken dran. Aber ich will mich auf gar keinen Fall beschweren, denn ich hatte das große Glück, zwei tolle und völlig komplikationslose Geburten zu erleben und ich weiß, dass mich viele Frauen darum beneiden würden.

Beim ersten Anblick unseres süßen kleinen Mädchens wurde ich dafür überrollt von einer Welle der Mutterliebe und musste sogar ein kleines Tränchen vergießen. Darauf musste ich beim ersten Mal doch etwas länger warten.

(Früh-)Wochenbett

Die ersten Tage im Krankenhaus mit unserer kleinen Maus habe ich intensiver wahrgenommen, als beim ersten Mal. Wenn auch die Geburt an sich etwas weniger beeindruckend war als beim ersten Mal, so kamen wir doch aus dem Staunen über unser neues Wunder nicht hinaus.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich diese zauberhaften ersten Stunde und Tage auch beim zehnten Kind anfühlen wie das erste Mal. Da kann man wohl keine Routine bekommen. Zurecht, wie ich finde, denn schließlich handelt es sich ja jedes Mal um einen neuen und einzigartigen kleinen Menschen. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Schwestern auf der Wöchnerinnenstation das anders sehen. Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass sich keiner um mich gekümmert hat, aber als Mehrgebärende fliegt man da gefühlt doch schon etwas unter dem Radar. Aber auch hier will ich mich nicht beschweren, denn uns beiden ging es ja bestens und so hatten wir viel Zeit und Ruhe um uns kennenzulernen. Ich gebe aber ganz ehrlich zu, dass ich mir als frisch gebackene und super stolze Mama schon ein bisschen mehr Aufmerksamkeit gewünscht hätte.

Das hat sich in den ersten Wochen daheim fortgesetzt, denn die Anteilnahme war deutlich geringer als beim ersten Kind. Das war nicht nur gefühlt so, sondern ließ sich an der Anzahl der Geschenke und Glückwunschkarten auch ganz objektiv belegen. Nicht, dass es uns um das Materielle gegangen wäre, auf keinen Fall, aber es ist eben einfach schön, wenn andere sich mit einem freuen. Diese Erfahrungen haben übrigens auch Freundinnen von mir gemacht, die zur selben Zeit das zweite Kind bekommen haben.

Nachdem mein erstes Wochenbett leider gar nicht schön, sondern von einem emotionalen Absturz und totaler Überforderung geprägt war, achtete ich dieses Mal ganz bewusst auf mich und meine Bedürfnisse. Und siehe da: wir hatten eine wunderschöne Zeit und konnten wunderbar als Familie zusammenwachsen. Vor allem hatte ich mir vorgenommen, jede Art von Unterstützung anzunehmen. Das Blöde war nur, dass uns dieses Mal viel weniger Hilfe angeboten wurde. Es dachten wahrscheinlich alle, dass man beim zweiten Kind weiß, was zu tun ist und die Unterstützung nicht benötigt. Also bin ich einfach dazu übergegangen, sie bspw. in Form von mitgebrachtem Essen aktiv einzufordern. Das hätte ich mich beim ersten Mal nie getraut, würde ich aber immer wieder so machen und kann es jeder werdenden oder frisch gebackenen Mama nur wärmstens empfehlen.

Alles in allem war mein Wochenbett also ganz anders als beim ersten Kind, worüber ich sehr froh bin. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal ganz herzlich bei Maike bedanken, die mich beide Male mit viel Feingefühl und genau dem richtigen Maß betreut und begleitet hat. Das zeigt, wie flexibel sich Hebammen immer wieder neu auf die jeweilige Frau und Situation einstellen müssen und das finde ich wirklich bewundernswert.

Die ersten Monate zu viert

Das Kennenlernen mit einem Zweitgeborenen ist natürlich sehr spannend, weil da noch ein zweites Kind ist, das die Aufmerksamkeit braucht. Deswegen hatte ich auch wirklich ein bisschen Bammel davor, wie unsere Große auf die kleine Schwester reagieren würde. Ich war auf das Schlimmste in Sachen Eifersucht vorbereitet, aber bis heute – 8 Monate später – haben sich meine Befürchtungen zu unserer großen Freude nicht bewahrheitet. Vor der Geburt hatte ich auch Sorge, ob ich beiden Kindern gerecht werden und beide gleich stark lieben könnte. Aber diese Sorge war ebenfalls komplett unbegründet. Zugegeben ist die Exklusivzeit für beide Kinder knapp bemessen: die Kleine bekommt nicht halb so viel Action, Babykurse, stundenlange Spaziergänge, etc. wie die Große und die wiederum muss die ganze Aufmerksamkeit nun teilen. Aber dafür haben sie sich und profitieren auf so vielfältige Weise davon. Und wir Eltern profitieren seitdem von den vielen wunderschönen und herzerweichenden Geschwistermomenten. Überraschenderwiese haben wir auch nicht mehr oder weniger Paarzeit füreinander als mit nur einem Kind. Das Einzige, was ich persönlich wirklich unterschätzt habe ist, dass meine große Tochter anfänglich komplett zum Papakind mutiert ist. Das tat mir natürlich sehr weh, ist aber auf der anderen Seite nur verständlich, denn wenn Mama wegen Stillen, wickeln und Co. keine Zeit hat, muss halt der Papa herhalten. Mittlerweile hat sich das aber wieder etwas normalisiert und ich bin nicht mehr komplett abgemeldet. Puuuh!

Ich möchte nicht verschweigen, dass die erste Zeit wirklich anstrengend war. Es ist einfach anspruchsvoll ein aufgewecktes Kleinkind zu bespaßen, wenn das Baby mal wieder die Nacht zum Tag gemacht hat. Vor allem, da ich irgendwie nicht für wenig Schlaf gemacht zu sein scheine. Allerdings finde ich das Leben mit zwei Kindern tatsächlich und ungelogen einfacher, als mit einem. Das liegt zum einen daran, dass die (Tages-)Abläufe schon weitestgehend eingespielt sind und man sich diese nicht erst mühsam suchen muss. Übrigens auch etwas, was mir beim ersten Kind sehr schwer gefallen ist. Das heißt nicht, dass das zweite Kind „einfach so mitläuft“. Aber statt einen komplett neuen Rhythmus zu finden, mussten wir nur schauen, ob unsere Abläufe für die neue Konstellation noch passen und bei Bedarf etwas adjustieren. Außerdem waren wir und vor allem ich doch deutlich entspannter und gelassener, weil wir einfach schon ein bisschen Erfahrung hatten. Und wir hatten sozusagen den lebenden Beweis, dass wir das bisher doch alles ganz gut hinbekommen haben, auch wenn das Kind mal krank war, ohne erkennbaren Grund geschrien hat oder mal ausnahmsweise erst fünf Minuten später gestillt oder gewickelt wurde. Gleichzeitig führt das aber auch dazu, dass ich in mancher Hinsicht ungeduldiger bin und mich daran erinnern muss, dass auch ein Zweitgeborenes das Recht hat, Dinge in seinem eigenen Tempo ganz alleine zu lernen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass es die beste Idee unseres Lebens war, zuerst unser erstes und dann unser zweites Kind zu bekommen. Klingt komisch, ist aber so, denn es kommt immer alles so, wie es soll. Spaßeshalber habe ich schon zu Freunden gesagt, dass ich beim nächsten Mal gleich mit dem zweiten Kind anfange, weil mir danach alles irgendwie einfacher vorkam 😉 Ganz so stimmt das natürlich nicht, aber ein bisschen Wahrheit steckt schon dahinter.