Hypnobirthing – Ich atme mein Kind auf die Welt

Wer hat den Begriff „Hypnobirthing“ nicht schon gehört? Viele Promis schwören darauf, in den Medien taucht er auch immer wieder auf… Doch was genau bedeutet er eigentlich? Heißt es etwa, dass ich mein Kind wie von selbst auf die Welt bringen kann – ohne Schmerzen, ohne Angst, ohne Anspannung?

Leider ist es nicht ganz so, liebe Mami. Es ist unmöglich, eine schmerzfreie Geburt zu versprechen. Eine Geburt hängt natürlich immer von den Gegebenheiten am Tag der Geburt ab. Aber auch der physische und psychische Zustand der Gebärenden spielen eine große Rolle.

Unter Hypnobirthing oder der sanften Geburt versteht man einen Selbsthypnosezustand bzw. eine von innen heraus erzeugte Entspannung durch autogenes Training. Der Selbsthypnosezustand versetzt die Gebärende in einen Zustand der Tiefenentspannung, einer Art Trance. Der Zustand der Hypnose ist ein individuelles Erlebnis, wobei man während der Hypnose die Kontrolle über sich selbst behält. Durch diesen anderen Bewusstseinszustand, welcher eine Zwischenzone zwischen Wach- und Schlafmodus ist, ist es der Gebärenden möglich, einen anderen Blickwinkel auf die Dinge zu bekommen und so die Angst vor der Geburt in Vertrauen und Zuversicht umzuwandeln. Klingt doch erst einmal gut, oder?

Die Grundsteine des Hypnobirthing sind Aufklärung, Atmung, Entspannung und Einbeziehung des Geburtspartners. Ich möchte euch nun ein paar Worte zu den Grundpfeilern und weiteren wichtigen Fakten mit auf den Weg geben:

  • Aufklärung und Sprache

Wie schon erwähnt, spielt die physische (körperliche) und psychische (geistige) Verfassung der Gebärenden eine große Rolle. Das Gehirn entscheidet nämlich letztlich, ob eine körperliche Wahrnehmung als Schmerz und als Bedrohung wahrgenommen wird - oder nicht. In unserer Gesellschaft ist die akzeptierte Norm, dass eine Geburt Schmerzen verursacht und die Gebärende das so hinzunehmen hat. Dadurch kommt es häufig zu Stresssituationen bei den werdenden Müttern. Stress und Angst können die Gebärende während des Geburtsprozesses so stark blockieren, dass sie nicht mehr in der Lage ist, sich der Geburt hinzugeben. Dadurch kann es zu einem Geburtsstillstand kommen. Unter Umständen ist dann nur noch ein Kaiserschnitt die Notlösung. Hypnobirthing möchte erreichen, dass die Schwangere mit Vertrauen an die Geburt herangeht.

  • Sprache

Eine positive Sprache und neutrale Begriffe der Geburtsvorgänge sind wesentliche Merkmale des Hypnobirthing. Denn Sprache hat immer auch eine physische Auswirkung auf den Körper. Was spricht dich positiver an: „ich presse mein Kind auf die Welt“ oder „ich atme mein Kind auf die Welt“?

Durch die positive Sprache entstehen zudem mehr Selbstvertrauen in den eigenen Körper und die eigenen Fähigkeiten.

  • Entspannung und Geburtspartner

Für eine sanfte Geburt braucht es also eine positive Sprache und eine entspannte Mutter. Für die Entspannung ist häufig der sogenannte „Fels in der Brandung“ verantwortlich: der Geburtspartner, meistens ist das der Vater des Kindes. Es kann aber auch eine enge Vertrauensperson für die Mutter sein, wie die eigene Mutter oder Schwester.

Der Geburtspartner soll während der Geburt Vertrauen und Geborgenheit an die Mutter geben. Wenn z.B. Zweifel, Herausforderungen oder Komplikationen unter der Geburt auftreten, kann der Geburtspartner helfen, zurück zur Entspannung zu finden. In diesem Falle ist es durchaus sinnvoll, wenn dein Partner beim Erstellen des Geburtsplans dabei ist.

  • Geburtsplan

Jede Frau hat Wünsche und Vorstellungen, wie sie ihr Kind auf die Welt bringen möchte. In dem Geburtsplan soll diese Idee festgehalten werden, allerdings mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es kein in Stein gemeißelter Plan ist, sondern ein roter Faden, der durch den Geburtsvorgang begleitet.

Die Hypnobirthing-Geburtspläne sollen v.a. dazu dienen, Fragen im Vorfeld zu klären, gemeinsame Absprachen als Paar zu treffen und eine Leitlinie während der Geburt darzustellen. In den Momenten des Selbstzweifels helfen sie, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen, sich zu entspannen und dem Geburtspartner sein volles Vertrauen zu schenken.

  • Atmung

Die Atmung macht natürlich einen wesentlichen Teil der Geburt aus. Es gibt drei Hauptatemtechniken im Hypnobirthing. Eine während der Entspannung/ beim Pause machen und Kraft schöpfen, während der Öffnungsphase/ der Wehe (oder Welle) und die Geburtsatmung.

Mittlerweile wird aber nicht mehr ausschließlich von Hypnobirthing gesprochen, sondern auch von der bestmöglichen Geburt an dem Tag. Das Ziel dieser Geburtstechnik soll es sein, die Frau bzw. das Paar so zu bestärken, dass sie positiv in die Geburt hinein- und hinausgehen. Die Meisten gehen zufrieden aus dem Geburtserlebnis hinaus, mit dem Wissen, dass sie eine informierte Entscheidung treffen konnten (dank des Geburtsplanes und -partners), egal welche Wendungen die Geburt hatte. Sie haben das Gefühl, das maximal Mögliche für sich und ihr Baby getan zu haben, um eine gute Geburt zu erreichen.

Wenn du dich für diese Art der Geburtsvorbereitung entscheidest, macht es Sinn einen Hypnobirthing-Kurs zu besuchen. Suche dir deinen passenden Geburtsvorbereitungskurs bzw. die passende Kursleiterin mit genauso viel Achtsamkeit und Sorgfalt aus, wie du es bei deiner Hebamme und dem Geburtsort machst. Achte darauf, dass der Kurs in kleineren Gruppen über mehrere Wochen stattfindet, denn der Prozess der Verhaltensveränderung sollte gut begleitet werden. Außerdem wirst du im Kurs durch deine Kursleiterin im Üben der Techniken unterstützt.

Wenn du mehr über Hypnobirthing erfahren möchtest, kann ich dir das Buch „HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt“ von Marie Mongan empfehlen. Sie war eine der ersten Vorreiterinnen, die Hypnobirthing weltweit bekannt gemacht hat. Ihre Ansicht war: „Wenn du deine Sichtweise der Geburt veränderst, veränderst du, wie du gebärst“. Marie Mongan selbst hat sich mit dem Buch von Grantly Dick-Read „Mutterwerden ohne Schmerzen. Die natürliche Geburt“ auf ihre selbstbestimmte Geburt vorbereitet.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine sichere, sanfte und selbstbestimmte Geburt!