Der Blasensprung

Liebe Mami, bestimmt kennst du die Geschichte, dass der Schwangeren mitten im größten Trubel die Fruchtblase schwallartig platzt, alle völlig in Panik geraten und dann – schwupp! das Baby auch schon da ist. Ganz so dramatisch muss es in der Realität nicht ablaufen

Von einem Blasensprung spricht man, wenn die Fruchtblase platzt. Medizinisch betrachtet, ist es die Öffnung der Fruchtblase, die dein Baby während der Schwangerschaft umgibt. Es ist das Zeichen für eine beginnende Geburt, dein Baby wird also bald geboren. Immerhin damit hat dieser Mythos recht.

Von einem vorzeitigen Blasensprung spricht man, wenn die Fruchtblase vor der 37.Schwangerschaftswoche platzt oder die Fruchtblase vor dem Wehenbeginn platzt. Nun gibt es natürlich unterschiedliche Formen eines Blasensprungs, nicht bei jeder Mama platzt die Fruchtblase gleich.

Hoher Blasensprung oder Blasenriss: darunter versteht man, wenn die Fruchtblase in den hohen Bereich reißt. Das Fruchtwasser geht meistens tröpfchenweise ab und man ist sich unsicher, ob es ein Blasensprung war oder nicht. Am besten legst du eine Binde in deinen Slip und wartest nochmal ab, ob die Binde wieder nass ist. Normalerweise riecht das Fruchtwasser süßlich und ist hell.

Bei einem kleinen Defekt deiner Fruchtblase, kann sie sich unter Umständen wieder ganz von alleine schließen. Es wird dann auch wieder Fruchtwasser nachproduziert. Lasse es aber auf jeden Fall beim Frauenarzt abklären.

Das Fruchtwasser

  • Geht nur ein wenig Fruchtwasser ab und du bist dir unsicher, ob es Urin war, kannst du es durch einen Arzt oder in der Klinik abklären lassen. Auf sogenanntem Lackmuspapier (auch pH-Papier genannt) kann nachgewiesen werden, ob es Fruchtwasser oder Urin war. Das Papier verfärbt bei leicht basischem Wert, sprich Fruchtwasser in der Regel blau und bei bspw. normalem vaginalem Ausfluss rot. Das Lackmuspapier gibt es in der Apotheke oder online zu kaufen. Auch ein Schnelltest auf IgF-1 (also auf ein fetales Eiweiß) bringt schnelle Gewissheit und ist sehr sicher.
  • Verlierst du viel Fruchtwasser, so musst du auch nicht in Panik geraten, denn dein Körper produziert das Fruchtwasser glücklicherweise in kleinen Mengen immer nach. Damit wird eine sogenannte ,,Trockengeburt“ ausgeschlossen.
  • Ist das abgegangene Fruchtwasser grün, so solltest du sofort ins Krankenhaus. Es ist ein Zeichen, dass dein Baby seinen ersten Stuhl abgesetzt hat.

Bitte lasse jegliche Form von Fruchtwasserabgang ärztlich abklären, da der Geburtskanal nun offen ist und es zu einer Infektion kommen kann (das sogenannte AIS-Amnioninfektionssyndrom). Die Ärzte können durch eine regelmäßige Blutabnahme, der Kontrolle deiner Körpertemperatur und mithilfe eines CTG (Herztonüberwachung deines Babys) alles im Blick behalten und sofort handeln, wenn es kritisch werden sollte.

Lasse auch bei deinen letzten Vorsorgeuntersuchungen abklären, ob der vorangehende Teil deines Babys (meistens der Kopf) ganz ins Becken gerutscht ist. Platzt deine Fruchtblase, so kann es sein, dass sich sonst die Nabelschnur vor das Kind schiebt und dein Baby keine ausreichende Versorgung erhält. Das ist allerdings zum Glück sehr selten der Fall. Leg dich hin, lagere dein Becken hoch indem du z.B. ein Kissen drunter schiebst und rufe einen Krankenwagen (falls dein Baby noch nicht fest im Becken sitzt). Denke bitte daran, falls du alleine bist, vorher die Haustüre zu öffnen, damit die Ärzte dann auch zu dir kommen können.

Das Wichtigste ist in jedem Fall bei einem Blasensprung, dass du Ruhe bewahrst.

Bist du im Krankenhaus, wirst du untersucht und es wird geschaut, welcher und ob der vorangehende Körperteil sich fest im Becken befindet. Geht es dir und deinem Baby gut, so kannst du dich wieder ganz normal bewegen und alle positiven Kräfte der Geburt nutzen. Normalerweise, wartet das Krankenhaus dann bis zu 24-30 Stunden (je nach Klinik), bevor wehenfördernde Mittel gegeben und die Geburt eingeleitet wird. Die meisten Schwangeren produzieren nach ca. 10-20 Std. von alleine Wehen. Nur bei 10% der Schwangeren bleiben nach einem Blasensprung die Wehen aus.     
Nach ca. 8 Stunden nach dem Blasensprung (je nach Klinik unterschiedlich) wird ein Antibiotikum gegeben, um zu verhindern, dass durch den offenen Geburtskanal Keime hochwandern können. Dadurch steigt nämlich das Infektionsrisiko deines Babys.

Vielleicht hilft es dir auch, wenn du die letzten Wochen immer eine Binde in der Handtasche trägst. Zumindest gibt es den meisten Frauen ein beruhigendes Gefühl, auch wenn es wenig hilft, wenn Fruchtwasser schwallartig abgeht.         
Die Vorstellung, dass die Fruchtblase im Kino, im Restaurant oder in der S-Bahn springt, ist beunruhigend. Aber statistisch passiert es wirklich ganz selten. Fast immer springt die Fruchtblase zu Hause.

Ich wünsche dir viel Gelassenheit und einen klaren Kopf, wenn bei dir die Geburt losgeht und hoffe, dass dir der ein oder andere Tipp etwas Sicherheit im Alltag bringt.