Akupunktur, die traditionelle chinesische Medizin

Akupunktur hat sicherlich jede von euch schon mal gehört. Dennoch stehen viele Mamis dieser Behandlungsmethode etwas skeptisch gegenüber oder ihnen ist es häufig zu unsicher, was es wirklich bewirkt. Im Folgenden Blog möchte ich euch die Akupunktur etwas näher vorstellen.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), wozu auch die Akupunktur gehört, hat ihren Ursprung in China. Und zwar im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Allerdings wurde die TCM erst im 17. Jahrhundert in Europa bekannt.

Zu den Grundbegriffen der TCM zählen

  • die Lehre von Yin und Yang
  • die Fünf-Elemente-Lehre (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser)
  • die Lehre der fünf Substanzen (Qi=Lebensenergie, Xue=Blut, Jing=Konstitution, Jin-Ye=Körperflüssigkeit, Shen=Geist)
  • das Konzept der Leitbahnen im Körper (Meridiane), wobei die Meridiane eine Verbindung von außen nach innen darstellen. Heißt: die Behandlung eines Punktes auf der Körperoberfläche hat Auswirkungen auf das Innere im Körper.

Alles zusammen ermöglicht es, den Menschen mit allen Sinnen zu betrachten. So wird bspw. nicht nur nach den Beschwerden gefragt, sondern auch nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens. Die westliche Medizin behandelt zumeist ein Symptom, wohingegen die chinesische Medizin den Körper als Einheit sieht und Krankheiten als Störung des Gleichgewichts von Yin und Yang.

Wer macht diese Akupunktur?

Da sich Akupunktur im deutschsprachigen Raum immer größerer Beliebtheit erfreut, bieten folglich auch immer mehr freiberufliche Hebammen diese Behandlungsmethode an. Aber auch Hebammenpraxen, Geburtshäuser und Kliniken bieten diese besondere Art der Heilkunde an.

Die Kosten werden in aller Regel nicht von den Krankenkassen übernommen, sondern von den Eltern privat bezahlt. Die behandelnde Hebamme ist verpflichtet die Behandlung als IgEL (Individuelle Gesundheitsleistung) abzurechnen.

Wie soll euch das jetzt aber helfen, liebe Mamis?

Ganz einfach. Es gibt verschiedene Zeiträume, in denen Akupunktur einer Studie zufolge vielen Mamis geholfen hat.

  1. Akupunktur in der Schwangerschaft

Zwar ist gerade dieser Zeitraum einer der umstrittensten, aber viele behandelte Mamis schwören auf Akupunktur in der Schwangerschaft. Einige Experten raten zur Vorsicht, denn jede Akupunktur erreicht auch das Kind. Letztlich muss es jede Mama für sich selbst entscheiden. Sicherlich ist es auch möglich, wenn du dich dafür interessierst, dich im Vorfeld von deiner Hebamme beraten zu lassen. Akupunktur in der Schwangerschaft soll der Schwangeren eine Linderung bei den typischen Schwangerschaftsbeschwerden verschaffen. Gemeint sind Symptome wie starke Übelkeit (Emesis Gravidarum), Schlafstörungen, Sodbrennen, Ödeme, Rücken- und Kopfschmerzen, Karpaltunnelsyndrom (eingeklemmter Nerv im Handgelenk) oder die Beckenendlage des Babys.

Natürlich gibt es da auch noch die bekanntere geburtsvorbereitende Akupunktur (oder Mannheimer Schema nach Römer), die ab der 36. Schwangerschaftswoche empfohlen wird. Bei der Behandlung werden wöchentlich für 20 Minuten 4 spezielle Punkte genadelt. Ziel ist es, die Eröffnungsphase der Geburt zu verkürzen – was laut einer Studie bei den Frauen, die akupunktiert wurden um durchschnittlich 2 Stunden der Fall war. Wahnsinn oder? Außerdem sollen die Elemente Qi und Blut gestärkt werden, die für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett wichtig sind.

 

  1. Akupunktur während der Geburt

Klingt jetzt vielleicht erstmal schräg, hat aber durchaus seinen Sinn und auch seine Berechtigung. Hebammen, die in Kliniken arbeiten, bieten nicht nur Akupunktursprechstunden für Schwangere an, sondern nadeln auch während der Geburt, um Schmerzlinderung und Geburtserleichterung zu verschaffen. Auch zur Wehenanregung sowie diversen Störungen (zB Plazentalösung) kann die Akupunktur angewandt werden. Dabei ist allerdings sehr wichtig, dass niemals routinemäßig ein bestimmtes Punkteschema akupunktiert wird, sondern die Akupunktur immer individuell auf die Schwangere bzw. Gebärende, auf den Verlauf der Geburt und die gegebenen Umstände angepasst wird. Ich bin ein Fan davon, zugegeben: bei der Geburt meines Sohnes hat die betreuende Hebamme meinen Damm akupunktiert, um ihn vor dem Reißen zu bewahren, was tatsächlich gut geklappt hat. Und wenn ihr euch jetzt fragt, ob es weh getan hat…? Da der Geburtsschmerz über allem lag und ich voll und ganz damit beschäftigt war, mein Baby gut auf die Welt zu bringen, habe ich die Nadeln überhaupt nicht gespürt.

 

  1. Akupunktur im Wochenbett

Die Hebammen, die diese Art der Akupunktur anwenden, meinen, dass es eine der größten Herausforderungen für sie sei. Denn die auftretenden Beschwerden im Wochenbett sind stets individuell und können vielfältig sein. Dabei das Warum herauszufinden, ist nicht immer einfach. Aber die behandelnden Hebammen freuen sich auch immer, wenn sie den Wöchnerinnen Erleichterung verschaffen konnten und die Akupunktur erfolgreich anschlägt (bspw. bei Milchstau).

Die Hebamme Katharina Kerlen-Petri, die auch das Buch „Viel mehr als nur ein paar Nadeln“ herausgebracht hat, wendet jedoch gerne zwei Ideen aus der TCM an: einmal aktiviert sie das Sondermeridian Chong Mai zur Stärkung der Mami im Wochenbett und einmal empfiehlt sie das Rezept der Kraftsuppe (https://hebammenblog.de/?s=kraftsuppe).

 

Ich hoffe sehr, dass ihr die Welt der Akupunktur und der chinesischen Medizin ein klein wenig verstehen konntet. Falls sie euch angesprochen hat, sprecht doch einfach mal eure Hebamme an!