Babyblues - Wenn die Gefühle nach der Geburt Achterbahn fahren

„Heut geht’s mir echt nicht gut. Ich fühle mich total erschöpft und ausgelaugt, müde bin ich auch. Nicht mal ne Minute kann ich mich hinlegen und meine Ruhe haben. Ständig plärrt mein Baby los! Das war auch die ganze Nacht schon so. Ich bin völlig fertig mit den Nerven. So habe ich mir das alles ganz und gar nicht vorgestellt.“ - Kurze Gedankenpause - „Ich könnt echt heulen! Was bin ich nur für eine Mutter, die nicht auf Wolken schwebt wegen ihrem Neugeborenen? Ich schaff das alles nicht, ich habe auch keine Kraft mehr. Was ist nur los mit mir…?“

So oder so ähnlich können die Gedanken einer Mutter sein, die einen Babyblues hat. Liebe Mamis, das ist nichts wofür ihr euch schämen müsst. Bei manchen Frauen kommt das vor. Das liegt auch nicht an euch oder an euren Mutterfähigkeiten. Bitte denkt das nicht!

In diesem Blog möchte ich euch ein paar wissenswerte Infos zum Babyblues geben.

Was ist eigentlich ein Babyblues und was macht er mit mir als Mama?

Medizinisch wird es Postpartum Blues genannt, umgangssprachlich werden diese Tage auch häufig als Heultage bezeichnet. Gemeint ist die erste Zeit nach der Geburt, in denen ihr euch als frischgebackene Mama in einem vorübergehenden Stimmungstief befindet. Oft fühlen sich die betroffenen Mamas müde und erschöpft, niedergeschlagen, berichten von leichten Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, brechen ohne ersichtlichen Grund in Tränen aus, sind leicht reizbar und verspüren eine große Traurigkeit. Manche Mamas verspüren auch eine unbekannte Aggressivität oder eine übertriebene Sorge um das Baby in der Zukunft.

In der Regel verschwinden die oben genannten Symptome aber nach ein paar Tagen wieder von allein.

Wusstet ihr eigentlich, dass 8 von 10 Mamas von solchen Gefühlen berichten? Alle Symptome werden subjektiv bewertet, d.h. was sich für eine Mami schon wie eine halbe Depression anfühlt, kann für eine andere Mutter nur ein schlechter Tag sein. Die Wissenschaft ist sich leider nicht ganz einig: manche zählen Müdigkeit und Schlafstörungen zu den Symptomen eines Babyblues, andere wiederum nicht. Es gibt auch Experten, die einen Babyblues für eine psychische Krankheit halten. Andere Experten wiederum sind der festen Überzeugung, dass es zum natürlichen Umstellungsprozess dazugehört und nichts mit einer Krankheit zu tun hat.

Fakt ist aber, dass ihr euch als frischgebackenen Mami nicht gut fühlt. Wenn eure Gefühlsachterbahn länger als ein bis zwei Wochen anhält, es immer schlimmer wird oder ihr euch einfach total unwohl fühlt und Hilfe braucht, sucht bitte das Gespräch mit eurem Arzt oder eurer Hebamme! Es ist nichts, wofür ihr euch schämen müsst.

... ja, leider kann es auch die Papas treffen

Die ersten Tage nach der Geburt können ganz schön nervenaufreibend sein, nicht nur für die Mamas, auch für die Papas. Sogar den stärksten Mann kann ein Kind mal leicht aus der Bahn werfen, die Symptome sehen nur anders aus. Eine amerikanische Studie hat herausgefunden, dass der Babyblues demnach auch bei den Papas auftreten kann. Die Hauptursache ist, neben den veränderten Hormonen, vermutlich der Schlafmangel. Männer, deren Partnerinnen an einem Babyblues leiden, haben ein höheres Risiko depressive Symptome zu zeigen.           
Der Babyblues äußert sich bei Männern größtenteils in aggressiven Stimmungen oder Gewaltausbrüchen. In schlimmeren Fällen können auch eine Spielsucht oder ein Missbrauch von Genussmitteln (wie z.B. Alkohol) entwickelt werden, manchmal führt der männliche Babyblues auch zu außerehelichen Seitensprüngen.

Was ist denn nun der Ursprung dieses Gefühlschaos?

Eigentlich ganz einfach und doch so vielschichtig: oft sind es die Hormone bzw. vom schwangeren zu nicht schwangereren Zustand. Nach der Geburt produziert dein Körper nämlich nicht mehr das Schwangerschaftshormon Prolaktin. Dein Körper benötigt zwei bis drei Tage bis die Hormone abgebaut und abtransportiert werden. Zudem kommt ein starker Abfall der Hormone Östrogen und Progesteron, die in der Schwangerschaft ebenfalls kontinuierlich produziert wurden. Meistens ist nach drei bis fünf Tagen der Tiefpunkt bei den frischgebackenen Mamas erreicht. Deine Hormonumstellung dauert ein paar Tage, manchmal bis zu einer Woche. Danach verschwindet das Stimmungstief in aller Regel von selbst.

Die Art der Geburt, der Ort und die Dauer werden nicht als Auslöser des Babyblues gesehen. Häufig haben jedoch Mütter ein erhöhtes Risiko für einen Babyblues, wenn die Geburt anders als geplant ablief.

Nur 10-15% aller Frauen haben allerdings eine ernsthafte Wochenbettdepression. Wenn die oben genannten Symptome nach ein paar Tage nicht von selbst weniger werden, die Symptome sogar stärker auftreten oder nicht verschwinden wollen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um eine Postpartale Depression (Wochenbettdepression) handelt, die ihr unbedingt ärztlich abklären lassen müsst.

 

Liebe Mamis (und Papis), ihr seid nicht allein! Das ist das Allerwichtigste. Ihr habt vielleicht gute Freunde in der Nähe und eure Familien, die euch lieben. Vielleicht gibt es auch liebe Nachbarn und Bekannte, denen ihr vertraut. Bittet diese Personen um Unterstützung und fragt nach, ob sie euch helfen, in Situationen, in denen ihr überfordert seid und ihr euch Hilfe wünscht. Bestellt euch Essen nach Hause, damit ihr zusammen die Zeit als frischgebackene Familie genießen könnt, anstatt in der Küche zu stehen. Lasst den Wäscheberg vorerst liegen und kuschelt viel. Räumt die Wohnung später auf und lernt euch in Ruhe kennen. Eurem Baby ist es nämlich egal, ob es in einer blitzeblank geputzten Wohnung wohnt oder ob ein paar Sachen herumstehen, die eigentlich wegeräumt werden müssten.           
Gemeinsam holt ihr das Beste aus eurer besonderen Anfangszeit heraus!