Was sich beim zweiten Kind wirklich ändert Teil 2

(Früh-)Wochenbett

Die ersten Tage im Krankenhaus mit unserer kleinen Maus habe ich intensiver wahrgenommen, als beim ersten Mal. Wenn auch die Geburt an sich etwas weniger beeindruckend war als beim ersten Mal, so kamen wir doch aus dem Staunen über unser neues Wunder nicht hinaus.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich diese zauberhaften ersten Stunde und Tage auch beim zehnten Kind anfühlen wie das erste Mal. Da kann man wohl keine Routine bekommen. Zurecht, wie ich finde, denn schließlich handelt es sich ja jedes Mal um einen neuen und einzigartigen kleinen Menschen. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Schwestern auf der Wöchnerinnenstation das anders sehen. Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass sich keiner um mich gekümmert hat, aber als Mehrgebärende fliegt man da gefühlt doch schon etwas unter dem Radar. Aber auch hier will ich mich nicht beschweren, denn uns beiden ging es ja bestens und so hatten wir viel Zeit und Ruhe um uns kennenzulernen. Ich gebe aber ganz ehrlich zu, dass ich mir als frisch gebackene und super stolze Mama schon ein bisschen mehr Aufmerksamkeit gewünscht hätte.

Das hat sich in den ersten Wochen daheim fortgesetzt, denn die Anteilnahme war deutlich geringer als beim ersten Kind. Das war nicht nur gefühlt so, sondern ließ sich an der Anzahl der Geschenke und Glückwunschkarten auch ganz objektiv belegen. Nicht, dass es uns um das Materielle gegangen wäre, auf keinen Fall, aber es ist eben einfach schön, wenn andere sich mit einem freuen. Diese Erfahrungen haben übrigens auch Freundinnen von mir gemacht, die zur selben Zeit das zweite Kind bekommen haben.

Nachdem mein erstes Wochenbett leider gar nicht schön, sondern von einem emotionalen Absturz und totaler Überforderung geprägt war, achtete ich dieses Mal ganz bewusst auf mich und meine Bedürfnisse. Und siehe da: wir hatten eine wunderschöne Zeit und konnten wunderbar als Familie zusammenwachsen. Vor allem hatte ich mir vorgenommen, jede Art von Unterstützung anzunehmen. Das Blöde war nur, dass uns dieses Mal viel weniger Hilfe angeboten wurde. Es dachten wahrscheinlich alle, dass man beim zweiten Kind weiß, was zu tun ist und die Unterstützung nicht benötigt. Also bin ich einfach dazu übergegangen, sie bspw. in Form von mitgebrachtem Essen aktiv einzufordern. Das hätte ich mich beim ersten Mal nie getraut, würde ich aber immer wieder so machen und kann es jeder werdenden oder frisch gebackenen Mama nur wärmstens empfehlen.

Alles in allem war mein Wochenbett also ganz anders als beim ersten Kind, worüber ich sehr froh bin. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal ganz herzlich bei Maike bedanken, die mich beide Male mit viel Feingefühl und genau dem richtigen Maß betreut und begleitet hat. Das zeigt, wie flexibel sich Hebammen immer wieder neu auf die jeweilige Frau und Situation einstellen müssen und das finde ich wirklich bewundernswert.

Die ersten Monate zu viert

Das Kennenlernen mit einem Zweitgeborenen ist natürlich sehr spannend, weil da noch ein zweites Kind ist, das die Aufmerksamkeit braucht. Deswegen hatte ich auch wirklich ein bisschen Bammel davor, wie unsere Große auf die kleine Schwester reagieren würde. Ich war auf das Schlimmste in Sachen Eifersucht vorbereitet, aber bis heute - 8 Monate später - haben sich meine Befürchtungen zu unserer großen Freude nicht bewahrheitet. Vor der Geburt hatte ich auch Sorge, ob ich beiden Kindern gerecht werden und beide gleich stark lieben könnte. Aber diese Sorge war ebenfalls komplett unbegründet. Zugegeben ist die Exklusivzeit für beide Kinder knapp bemessen: die Kleine bekommt nicht halb so viel Action, Babykurse, stundenlange Spaziergänge, etc. wie die Große und die wiederum muss die ganze Aufmerksamkeit nun teilen. Aber dafür haben sie sich und profitieren auf so vielfältige Weise davon. Und wir Eltern profitieren seitdem von den vielen wunderschönen und herzerweichenden Geschwistermomenten. Überraschenderwiese haben wir auch nicht mehr oder weniger Paarzeit füreinander als mit nur einem Kind. Das Einzige, was ich persönlich wirklich unterschätzt habe ist, dass meine große Tochter anfänglich komplett zum Papakind mutiert ist. Das tat mir natürlich sehr weh, ist aber auf der anderen Seite nur verständlich, denn wenn Mama wegen Stillen, wickeln und Co. keine Zeit hat, muss halt der Papa herhalten. Mittlerweile hat sich das aber wieder etwas normalisiert und ich bin nicht mehr komplett abgemeldet. Puuuh!

Ich möchte nicht verschweigen, dass die erste Zeit wirklich anstrengend war. Es ist einfach anspruchsvoll ein aufgewecktes Kleinkind zu bespaßen, wenn das Baby mal wieder die Nacht zum Tag gemacht hat. Vor allem, da ich irgendwie nicht für wenig Schlaf gemacht zu sein scheine. Allerdings finde ich das Leben mit zwei Kindern tatsächlich und ungelogen einfacher, als mit einem. Das liegt zum einen daran, dass die (Tages-)Abläufe schon weitestgehend eingespielt sind und man sich diese nicht erst mühsam suchen muss. Übrigens auch etwas, was mir beim ersten Kind sehr schwer gefallen ist. Das heißt nicht, dass das zweite Kind „einfach so mitläuft“. Aber statt einen komplett neuen Rhythmus zu finden, mussten wir nur schauen, ob unsere Abläufe für die neue Konstellation noch passen und bei Bedarf etwas adjustieren. Außerdem waren wir und vor allem ich doch deutlich entspannter und gelassener, weil wir einfach schon ein bisschen Erfahrung hatten. Und wir hatten sozusagen den lebenden Beweis, dass wir das bisher doch alles ganz gut hinbekommen haben, auch wenn das Kind mal krank war, ohne erkennbaren Grund geschrien hat oder mal ausnahmsweise erst fünf Minuten später gestillt oder gewickelt wurde. Gleichzeitig führt das aber auch dazu, dass ich in mancher Hinsicht ungeduldiger bin und mich daran erinnern muss, dass auch ein Zweitgeborenes das Recht hat, Dinge in seinem eigenen Tempo ganz alleine zu lernen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass es die beste Idee unseres Lebens war, zuerst unser erstes und dann unser zweites Kind zu bekommen. Klingt komisch, ist aber so, denn es kommt immer alles so, wie es soll. Spaßeshalber habe ich schon zu Freunden gesagt, dass ich beim nächsten Mal gleich mit dem zweiten Kind anfange, weil mir danach alles irgendwie einfacher vorkam ;) Ganz so stimmt das natürlich nicht, aber ein bisschen Wahrheit steckt schon dahinter.