Baby-led Weaning

Liebe Mamis, für viele Eltern ist es ein Meilenstein, wenn das eigene Baby zum ersten Mal feste Nahrung zu sich nimmt. Den Zeitpunkt, wann dieses große Ereignis stattfindet, wird meistens von den Eltern bestimmt. Natürlich wünschen sich alle Eltern, dass ihrem Baby, Essen entdecken und selber essen, Spaß macht. Darüber hinaus soll es ein guter Esser werden und die gemeinsamen Mahlzeiten stressfrei verlaufen.

Vielleicht möchtest du aus Überzeugung keinen Brei geben, vielleicht hat es deinem Baby auch einfach nicht geschmeckt. Wenn du etwas altbewährt Neues ausprobieren möchtest, wäre Baby-led Weaning vielleicht eine Option für dich.

Was wäre, wenn du deinem Baby die Führung überlässt?

Der erste Bissen ist immer eine aufregende Sache - so wie bei allen neuen Dingen. Und doch ist genau dieser Schritt eine große Entwicklung bei deinem Baby, ein wichtiger Meilenstein sozusagen. Für viele Eltern ist die Zeit, in der ihr Baby das Essen lernt stressig. Überall lauern Probleme, du machst dir (zu) viele Gedanken über die Konsistenz des Essens, dein Baby ist dadurch mäkelig und isst wenig oder nichts, am Ende der liebevoll geplanten Familienmahlzeit sind alle mit den Nerven am Ende und es ist ein Machtkampf zwischen den Eltern und dem Kind. Sind wir mal ehrlich, mit Spaß am Essen hat das alles nichts mehr zu tun.

Baby-led Weaning greift genau diesen Ansatzpunkt auf und definiert ihn neu. Nicht du als Mutter/Vater bestimmst den Zeitpunkt der Einführung von fester Nahrung und fütterst dein Baby mit Brei. Stattdessen überlässt du deinem Baby die Führung, wann es seinen ersten Bissen von fester Nahrung macht, zu was es greift und wieviel es davon isst. Das Buch „Baby-led Weaning – Das Grundlagenbuch – Der stressfreie Beikostweg“ von Gill Rapley und Tracey Murkett gibt allen Eltern, die diesen Weg der Beikost einschlagen wollen, Orientierung, viele wissenswerte Infos und einen Überblick über dieses wichtige Thema. Denn die Autoren wollen, dass das Abenteuer Essen lernen allen Familienmitgliedern Spaß macht.

Was ist Baby-led Weaning?

Baby-led Weaning (kurz: BLW) hat den Grundsatz, dass das Kind den Eltern zeigt, wann es bereit ist loszulegen. Die Eltern hingegen müssen im Gegenzug die nötige Offenheit auf diese besondere Art der Nahrungsumstellung haben. Klingt erstmal ganz simpel, oder?

Dein Baby sitzt von Anfang an am Tisch dabei. Es sieht zu, wie gegessen wird, was es für Tisch- und Essensrituale gibt. Mit der Zeit lernt dein Baby durch Probieren, Selberessen und Kosten, wie es sich am Familientisch gesund ernährt. Und dazu gehört, laut BLW kein Brei, sondern das richtige Essen. Ab einem Alter von etwa sechs Monaten kann der richtige Zeitpunkt gekommen sein.

Was bedeutet denn eigentlich „weaning“? Weaning ist das englische Wort für Entwöhnung. Damit ist die schrittweise Umstellung von der ausschließlichen Ernährung durch Milch (Muttermilch/ Flasche) hin zu dem Zeitpunkt, an dem gar keine Milch mehr getrunken wird, gemeint. Manche Babys durchlaufen diesen Prozess innerhalb von sechs bis sieben Monaten, andere brauchen Jahre dazu. Das Ganze ist von ein paar Faktoren abhängig, wie z.B. wie häufig dein Baby Milch trinkt oder wie schnell es sich an die neue Art der Mahlzeit gewöhnt.

Das Besondere an BLW ist, dass die vom Baby gesteuerte Umgewöhnung gleichzeitig die kindliche Kaufähigkeit und Fingerfertigkeit trainiert und auch die Hand-Auge-Koordination schult. Voraussetzung für eine gesunde Ernährung durch BLW ist eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche Ernährung der Eltern. Es ist dann nicht nötig spezielle Rezepte für dein Baby zu kochen. Um den Einstieg in die feste Nahrung zu erleichtern, gibt es in dem oben genannten Buch ein paar Vorschläge an Lebensmitteln, die für den Anfang gut geeignet sind und denen, die man anfangs vermeiden sollte.

Diese Art der Beikosteinführung bzw. Einführung fester Nahrung ist anders, ja. Altbewährt und auch neu. Altbewährt deshalb, weil schon Generationen vor uns genau dieses Konzept in der Kindererziehung angewendet haben. Neu deshalb, weil man diesem Konzept jetzt erst einen Namen gegeben hat und darüber spricht. Ob es die beste Art der Einführung von festem Essen ist, lässt sich nicht sagen. Was aber aus wissenschaftlichen Studien hervorgeht, ist ein positives Ergebnis: Kinder, bei denen BLW angewendet wurde, sind genussvolle, gesellige Esser mit einer überwiegend gesunden Ernährung und einem natürlichen Sättigungsgefühl.

Wie funktioniert BLW?

Zuerst einmal setzt du dein Baby an euren Familientisch, wenn ihr esst. Dabei hat es die Gelegenheit alles zu beobachten und wenn es soweit ist, zum Mitessen.

Sobald dein Baby Interesse zeigt, ermutige es, mit seinen Händen die Lebensmittel zu erforschen. Es kommt nicht darauf an, ob es etwas isst, sondern darauf, dass dein Baby nach dem Essen greift, das es selbst ansprechend findet.

Püriere das Essen nicht zu Brei, sondern zerteile es in handliche Portionen, die dein Baby gut greifen kann. Lasse dein Baby von Anfang an selbst essen und schiebe ihm keinen Löffel Brei in den Mund.

Überlasse es deinem Baby, wie viel es isst. Lasse ihm auch die Zeit, die es braucht, um seinen Horizont der Lebensmittel zu erweitern. Dränge es nicht dazu, neue Dinge zu probieren, biete sie ihm aber an.

Gib deinem Baby weiterhin Milch, wenn es hungrig ist und Milch trinken möchte. Dein Baby zeigt dir den Zeitpunkt, wann es breit ist, die Milchmenge zu reduzieren.

(vgl. Baby-led Weaning, das Grundlagenbuch von G. Rapley und T. Murkett, S. 17 ff.)

 

Ich weiß, zuerst einmal klingt das alles recht seltsam und einstudiert. Betrachtet man aber die kindliche Entwicklung in der Psychologie, so wird dem eigenständigen Entscheiden einen großen Wert beigemessen - und genau darum geht es in BLW zu einem großen Teil.

Natürlich ist, wie schon in den anderen Blogs zum Thema Beikost beschrieben, ein Mix aus beiden Varianten (Brei und BLW) möglich. Am besten, du schaust, welches Konzept am besten zu dir, deinem Baby und deiner Familie passt, was ihr am besten für euch in den Alltag integrieren könnt und probiert es aus.

Merke dir einfach, dass alle Babys an neue Dinge, die sie selbst machen können und dürfen, mit größter Begeisterung ran gehen - und sie lernen dabei am besten. Genau diesen Punkt nutzt BLW, um der Familie Spaß und Freude am gemeinsamen Essen zu vermitteln. Viel Spaß beim Abenteuer ESSEN!